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(4) Zur Zukunft der Wissenschaftsforschung in Deutschland

Die Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf) e.V. hat ein Positionspapier zur Lage und Zukunft der Hochschulforschung in Deutschland verabschiedet. Neben einer Kurzdarstellung der gegenwärtigen Situation der Hochschulforschung in Deutschland beinhaltet das Papier Kernziele zur Weiterentwicklung des Forschungsfelds. Das Positionspapier kann unterzeichnet werden.

Legitimationsprobleme von Hochschulen und die Gefahren der Erbringung von Rechtfertigungsnachweisen

Legitimationsprobleme von Hochschulen

Hier ein Bericht von der Podiumsdiskussion “Qualitätsdefizite oder Imageprobleme? Leistungen und Ansehen der Universität Hamburg“. Die Podiumsdiskussion fand anlässlich einer für Hamburg seit einigen Jahren bekannten Lage statt: Die Politik attestiert den Hochschulen Leistungsdefizite, wobei insbesondere die Universität Hamburg versucht, sich von diesem Image zu befreien. Die folgenden Gedanken beziehen sich daher nicht auf die Universität Hamburg, sondern eine bundesweit wenn nicht global orientierte Problemwahrnehmung.

Qualität und Image – eine Frage des Stakeholders

Frau Prof. Weber (Rektorin der Universität Greifswald und Vorstand in der HRK) brachte einen wichtigen Aspekt auf den Punkt: Unter den peers (der Welt der Wissenschaft) gibt es keine Wahrnehmung von Leistungsdefiziten und keine Imageprobleme der Universität Hamburg. Wenn also die Politik Kriterien ansetzt, die der Wissenschaft selbst nicht bekannt sind, kann auf das Imageproblem wohl auch nicht mit wissensschaftstypischen Indikatoren reagiert werden. Ein Punkt, den die Kommunikatiosberaterin Frau Schwan auch sehr klar erkannt hat, während Prof. Wiesendanger als Vertreter der Forschung sich im Kreis drehte, indem er auf die international ausgewiesene Qualität der Forschung verwies. Das Ökosystem der Universität Hamburg, so Schwan, muss aufgebrochen werden und man muss beginnen das Fremdbild zu verstehen (anstatt ignorant auf der internen Definition von Qualität zu beharren, wie es Prof. Wiesendanger exemplarisch vorgeführt hat). Es geht also nicht um bessere Forschung (die ohnehin nur noch in der Anzahl der SFBs etc. gemessen wird), sondern einen Dialog mit der Öffentlichkeit und Politik. Eine Klage eines Zuhörers, sein Diplom per Post erhalten zu haben, weist in die zukünftigen Aufgaben, sich stärker mit den Stakeholdern außerhalb der Forschung zu vernetzen.

Quantitative Qualitätsindikatoren

Auch wenn nun ungeklärt bleibt, aus welchen Quellen sich das Image der Universität Hamburg in der Politik speist, so kritisierte Frau Prof. Weber das allgemein beobachtbare Phänomen, dass sich die Wahrnehmung von Qualität und die Bildung eines Images zunehmend auf quantitative Indikatoren reduziert. Gerade das deutsche Wissenschaftssystem zeichne sich durch eine differenzierte Bewertung und die Anerkennung von Komplexität aus. Insofern Qualität durch in Rankings aggregierten quantitativen Indikatoren definiert wird, wird nicht nur die Definition von wissenschaftlicher Qualität verengt, sondern auch die Wissenschaftspraxis wird entsprechend gesteuert (siehe dazu die ausgiebige kritische Literatur von Z.B. M. Osterloh oder R. Münch). Ich wende mich nun dem zweiten Aspekt zu, welcher den Blick auf Rolle und Funktion der Wissenschaft bzw. der Hochschulen verengt.

(3) Zur Zukunft der Wissenschaftsforschung in Deutschland

In einem Positionspapier fordert der Wissenschaftsrat mehr empirische Wissenschafts- und Hochschulforschung in Deutschland. Der Rat attestiert der Wissenschaftsforschung eine vergleichsweise schwache institutionelle Verankerung, trotz ihrer hohen Relevanz für die Reflexion wissenschaftspolitischer Entscheidungen. Die starke Drittmittelabhängigkeit des interdisziplinären Forschungsfeldes ist ein weiterer Kritikpunkt. Zur Behebung dieser Defizite schlägt der Wissenschaftsrat u.a. folgende Maßnahmen vor:

  • Konsolidierung der bestehenden Forschungsinstitute (insb. DZHW und iFQ) zu einem Kompetenzzentrum der empirischen Wissenschafts- und Hochschulforschung
  • Einrichtung von Professuren und profilbildenden Bereichen an Hochschulen
  • Koordinierung der Studienangebote und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Die Diagnose sowie die vorgeschlagenen Maßnahmen und die verfolgten Ziele erinnern stark an die Ergebnisse der Paneldiskussion der GfHf sowie an das Memorandum zur Zukunft der Hochschulforschung in Deutschland.

(2) Zur Zukunft der Wissenschaftsforschung in Deutschland

Die Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf) hat auf ihrer Jahrestagung eine Paneldiskussion über Zukunftsthemen der Hochschulforschung veranstaltet. Schon seit einer Weile sieht die GfHf eine stärkere theoretische Fundierung, eine Ausweitung des Methodenspektrums, die bessere Integration verschiedener disziplinärer Ansätze und die internationale Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen auf der Agenda der deutschen Hochschulforschung.

Obwohl alle Panelteilnehmer/innen die Hochschulforschung als ein multi-disziplinäres Feld sehen wurde in der Diskussionsrunde der Versuch unternommen, konkrete inhaltliche Forschungstrends zu skizzieren. Anbei eine kurze Charakterisierung der Themengebiete, basierend auf dem Diskussionsprotokoll:

  • Theorie- und Methoden-Integration, insbesondere organisationstheoretische Erkenntnisse und Methoden der Wissenschaftsfoschung (bspw. Bibliometrie und/oder Netzwerkanalysen)
  • University Governance, insbesondere das Verhältnis Staat-Hochschule und rechtliche Rahmenbedingungen, sowie interne Ressourcenallokationsprozesse, Steuerungsmechanismen und Qualitätskontrollen (Rankings, Peer Reviews, etc.)
  • Bildungs- und Kompetenzforschung, insbesondere gesellschaftliche Auswirkungen der fortschreitenden Akademisierung, Kompetenzentwicklung und -beurteilung, sowie lebenslanges Lernen und Online Teaching / Learning
  • Karriere- und Nachwuchsforschung, insbesondere Mobilitätsstudien
  • Internationale Vergleiche und Politikberatung, insbesondere Panelstudien

(1) Zur Zukunft der Wissenschaftsforschung in Deutschland

Trotz der hohen Bedeutung von Foschungs- und Bildungseinrichtungen für den Wandel hin zur vielzitierten “Wissensgesellschaft” fristet die sozialwissenschaftliche Wissenschaftsforschung in Deutschland bislang ein Nischendasein. Im Gegensatz zum angelsächsischen Raum gibt es kaum Lehrstühle, die dem Hochschul- und Bildungsmanagement gewidmet sind und sich mit den organisatorischen Rahmenbedingungen, internen Abstimmungsmechnismen und gesellschaftlichen Konsequenzen von Forschung und Lehre auseinandersetzen. Zwar existieren mit dem INCHER, HIS oder CHE einige Forschungsinstitute, jedoch sind sie auf die stetige Einwerbung hoher Drittmittelvolumina angewiesen, um ihren Forschungsauftrag erfüllen zu können – Risiken (nachhaltiger Bestand der Institute?) und Nebenwirkungen (autonome Forschung?) mit inbegriffen.

Diese und weitere Missstände sind nun in einem Memorandum zur Zukunft der sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsforschung publik gemacht worden, das bislang von über 177 Personen aus Wissenschaft und Hochschulmanagement unterzeichnet wurde. Die Autoren sehen u.a. die Verstetigung existierender Förderlinien, die Einrichtung von (Stiftungs-)Lehrstühlen sowie die gezielte Nachwuchsförderung als Maßnahmen, die kurz- und mittelfristig zu einer dem Erkenntnisgegenstand angemessenen Forschungs- und Lehrkapazität beitragen können.

Mit einer Mail an die Initiatoren hat man die Möglichkeit, diesem wichtigen Anliegen eine weitere Stimme zu verleihen.