Monthly Archives: September 2014

CfP: Association for Higher Education Research (GfHf)

The 10th Annual Conference of the German Association for Higher Education Research (Gesellschaft für Hochschulforschung GfHf) has announced its call for papers. The conference takes place on April 08-10 2015 at the INCHER in Kassel. The main theme is “Theory building and method development in higher education research”. Abstracts (500 Words) have to be submitted until December 15th 2014. You’ll find the call here (in German) or here (in English).

Kleine Universitätsgeschichte

In unserer Forschung beschäftigen wir uns aus vielerlei Perspektiven mit den institutionellen Rahmenbedingungen und den damit verbundenen Organisationsprinzipien von Universitäten. Der soziologische Neo-Institutionalismus bietet ein umfassendes Instrumentarium, um die Komplexität des Feldes zu erfassen, in dem sich heutige Wissenschaftsorganisationen bewegen: zwischen akademischer Freiheit und Humboldt’schen Bildungsidealen, staatlichen Regulierungsansprüchen und statusgruppenparitätischen Partizipationsmechanismen, sowie effizienzbasierten und markt(nachfrage)orientierten Managementansätzen.

Diese Komplexität liegt nicht zuletzt in organisatorischen Pfadabhängigkeiten begründet. Häufig ersetzen die neuen Rahmenbedingungen nämlich die alten Strukturen und Handlungsprinzipien nicht, sondern überlagern, ergänzen und erweitern sie. Um die Gemengelage an Selbstverständnissen, Anspruchshaltungen und Zielvorgaben, sowie die ihnen inhärenten Komplementaritäten und Wiedersprüche besser zu verstehen, lohnt es sich also, einen Blick in die Historie zu werfen. Genauer gesagt, an den Anfang unserer Universitätsgeschichte; in das Gründungsdokument der ältesten Universität auf deutschem Boden, der Ruperto Carola Heidelberg.

Dort wurde 1386, nach Gewährung durch den Papst, eine Universität nach Pariser Vorbild gegründet. In der Gründungsurkunde heißt es, “dass die einzelnen Magister und Doktoren, bevor sie zu den gemeinschaftlichen Handlungen unseres Studiums zugelassen werden, schwören, dass sie die Statuten, Rechte, Privilegien, Freiheiten ebenso wie Immunitäten und Befreiungen desselben Studiums wahren werden.” Ferner, dass “alle seine Diener, nämlich Pedelle, Buchhersteller, Buchhändler, Pergamenter, Schreiber, Illuminatoren und andere ihm Dienende, alle und jeder einzelne, dieselben Privilegien, Befreiungen, Immunitäten und Freiheiten ohne Benachteiligung in ihm genießen sollen.”

Der Rektor sollte, ganz nach Pariser Vorbild, ein Magister in den Künsten sein und nicht von einer anderen Fakultät (Theologie, Recht, Medizin) stammen. Seine Ehre musste gewahrt und seinen Anweisungen gehorcht werden – so lange die Anweisungen erlaubt und ehrenhaft waren. Obwohl sich das aus heutiger Sicht nach weitreichenden Entscheidungskompetenzen und einer klaren Hierarchie anhört, war die Macht des Rektors begrenzt. Er sollte vier Mal pro Jahr im Amt bestätigt werden und die Fakultäten durften sich frei von seinen Anweisungen eigene Statuten geben. Sie mussten allerdings im Beisein aller Mitglieder der jeweiligen Fakultät beschlossen werden und besaßen nur Gültigkeit solange sie “das Studium” nicht beeinträchtigten.

Handlungsleitendes Motiv für alle Mitglieder der Universität waren also die Normen und Werte der akademischen Profession, die sich Seitens der Universität primär durch die gewährten Privilegien und akademischen Freiräume definierten. Der Rektor war als Primus inter Pares vor allem seinen Gleichgestellten Rechenschaft pflichtig.

Es ist deutlich, dass die Universität nicht als nachgelagerte Behörde geplant war, in der staatliches Verwaltungspersonal die Umsetzung politischer Vorgaben überwacht. Die Universität war auch nicht als Unternehmung gedacht, die Vollzeitmanager anhand antizipierter Marktbedarfe strategisch ausrichten müssen. Vielmehr war die gesamte Universität als “Republic of Science” konzipiert, wie es Polanyi so treffend formulierte, in deren Grenzen lediglich das akademische Wertesystem Gültigkeit besitzen sollte. Dieser Geist steckt in dem Ursprung der Universität und ist auch heute noch zu finden.

Gründungsdokument-RupertoCarola2Das Gründungsdokument der Ruperto Carola, hier der vollständige Text.